Pflegegrad und Pflegegeld

Kinder und Jugendliche können aufgrund einer chronischen Erkrankung oder Beeinträchtigung pflegebedürftig sein. Auch sie haben einen Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Hier erfahren Sie, wie Sie einen Pflegegrad (§§ 14,15 SGB XI) beantragen und worauf Sie dabei achten müssen. Ab dem Pflegegrad 2 erhält das Kind Pflegegeld nach § 37 SGB IX.

Pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung ist, wer aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit auf die Hilfe durch andere angewiesen ist. Während Fähigkeiten und Selbstständigkeit bei Erwachsenen im Laufe ihres Lebens durch Krankheit und Behinderung abnehmen können, müssen Kinder ihre Fähigkeiten erst entwickeln und werden von Jahr zu Jahr selbständiger. Bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit von Kindern werden deren Fähigkeiten daher mit denen eines gesunden, gleichaltrigen Kindes verglichen. Nur bei Säuglingen und Kleinkindern bis 18 Monate gibt es andere Kriterien zur Bestimmung der Pflegebedürftigkeit, da diese Kinder generell in allen Bereichen des Alltagslebens unselbstständig sind und einen natürlichen Pflegebedarf aufweisen.

Die Pflegeversicherung unterscheidet sechs Lebensbereiche und prüft, wie viel Unterstützung eine Person darin jeweils benötigt. Aufgrund der Gesamtbewertung aller Beeinträchtigungen erfolgt dann die Zuordnung zu einem von fünf Pflegegraden.

Lebensbereiche:

  1. Mobilität
    Wie selbstständig kann sich das Kind im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern fortbewegen, die nicht beeinträchtigt sind?  Kann es eine stabile Sitzposition halten? Kann es Treppen steigen?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    Findet sich das Kind örtlich und zeitlich altersentsprechend zurecht? Kann es Gespräche führen und Bedürfnisse mitteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    Gibt es besondere Verhaltensweisen, die die Selbständigkeit beeinträchtigen? 
  4. Selbstversorgung
    Wie selbstständig ist das Kind bei der Körperpflege? Braucht es altersuntypisch noch Unterstützung beim Essen und Trinken?
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    Welche Unterstützung wird benötigt beim Umgang mit der Krankheit und bei Behandlungen? Zum Beispiel Medikamentengabe, Verbandswechsel, Dialyse, Beatmung oder Begleitung zu Therapien.
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    Wie selbstständig kann Das Kind den Tagesablauf bewusst gestalten, Interessen nachgehen oder Kontakte pflegen?

Für Kinder im Alter von bis zu 18 Monaten werden zur besseren Beurteilung der Pflegebedürftigkeit nur die beiden altersunabhängigen Bereiche (3 und 5) herangezogen und pauschal einen Pflegegrad höher eingestuft, als bei der Begutachtung festgestellt.

Die Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit wird bei gesetzlich Versicherten vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) durchgeführt. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des MDK Berlin-Brandenburg und die Richtlininen zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI auf der Webseite des GKV Spitzenverbandes (siehe rechts)

 

 

 

MDK - Medizinischer Dienst der Krankenversicherung Berlin-Brandenburg
Informationen zur Pflegebegutachtung
GKV Spitzenverband
Richtlinien des GKV-Spitzenverbandeszur Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches
Medicproof
Der Medizinische Dienst der Privaten Krankenkassen
Die Fachstelle MenschenKind, die Elternselbsthilfe, die Björn-Schulz-Stiftung und der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg laden ein zum Zukunftsdialog „Pflegebedürftige Kinder bestens versorgt!“ am 14. Juni 2020 von 10.00 - 13.30Uhr.